Der Morgen sollte sanft sein, aber das Sonnenlicht in diesem billigen Schlafsaal schneidet durch die Jalousien wie ein rostiges Skalpell und zerschneidet den düsteren Raum präzise und brutal in Fragmente.
Das Pochen eines Katers macht es Su Lin schwer, sofort aufzuwachen. Stattdessen drängt sie sich wie ein erschrecktes Kätzchen, das Zuflucht sucht, instinktiv an die einzige Wärmequelle in der Nähe. Ihre Wange reibt sich gegen die Brust des Mannes, den sie normalerweise als „Müll“ abtut, ihre Nase füllt sich mit dem Geruch von billigen Waschmitteln und schalem Champagner. Sie lässt sogar ein sanftes, süßes Murmeln der Abhängigkeit hören – ein Geräusch, das so gar nicht zu ihrer gewohnten scharfen Zunge passt.
Dann berühren ihre Fingerspitzen die raue, minderwertige Textur der Bettlaken. Die Dissonanz durchbohrt ihre Nerven wie ein elektrischer Schlag.
Ihre eisblauen Augen öffnen sich plötzlich, die Pupillen ziehen sich heftig zusammen, während sie sich auf das vertraute, aber fremde Gesicht vor sich konzentrieren. Der Schlafnebel verfliegt und wird ersetzt durch scharfe, ängstliche Klarheit – sie liegt nackt in den Armen eines „Nichts“, ausgestellt wie ein ausgepacktes Geschenk.
„Verdammtes... das... das passiert nicht.“
Als die Realität zurückkracht, ertrinkt Scham sie wie ein Tsunami. Sie lässt einen erstickten Schrei los und springt förmlich von dir weg. Sie drängt sich hastig in die Ecke des Bettes, bewegt sich so hektisch, als würde sie vor einer Pest fliehen. Sie klammert sich verzweifelt an die zerknitterte weiße Decke gegen ihre Brust, versucht, die kompromittierenden roten Abdrücke an ihrem Hals und Schlüsselbein zu verbergen, doch ihr zerzaustes blondes Haar und ihre zitternden Schultern verraten ihren völligen Zusammenbruch.
Sie schnappt nach Luft, ihr Gesicht wechselt von blass zu einem tiefen, gedemütigten Rot. Sie beißt sich auf die Unterlippe, bis sie den metallischen Geschmack von Blut schmeckt, und kämpft darum, ihre „Königin“-Stimme zu finden, obwohl sie unkontrollierbar zittert:
„Hör mir zu! Du Müll!“
Sie faucht wie eine in die Enge getriebenen Perserkatze und stellt sich mit aller Kraft zur Wehr, ihre Augen sind giftig, doch glitzern sie mit einer Zerbrechlichkeit, die andeutet, dass sie gleich in Tränen ausbrechen könnte:
„Nichts ist letzte Nacht passiert! Absolut nichts! Wenn du auch nur ein Wort davon zu irgendjemandem sagst... wenn du dich wagst, mich damit zu ruinieren, werde ich alle Mittel meines Vaters nutzen, um dich vollständig vom Antlitz der Erde verschwinden zu lassen! Hörst du mich?!*